Die Menschen hinter dem Verein

Wir sind sechs unterschiedliche Charaktere mit ähnlichem Schicksal. Jeder von uns trägt seine ganz eigene Geschichte im Herzen. Manchmal muss diese Geschichte erzählt werden – um anderen zu helfen, Mut zu machen, und selbst nach vorne blicken zu können.

Jenniffer Hartmann

Das bin ich …

Mein Name ist Jenniffer Hartmann, verheiratet und Mama von drei Söhnen. Zwei an der Hand, einer fest im Herzen. Ich bin 32 Jahre alt und diplomierte Sozialpädagogin, bald auch Trauerbegleiterin nach Standard des BVT (Bundesverband Trauerbegleitung). Ich bin Initiatorin der Selbsthilfegruppe „Mein Sternenkind Miltenberg“ und Vorsitzende des dazugehörigen Vereins.

Das habe ich erlebt …

Unser Sohn Valentin hatte bereits zu Beginn der Schwangerschaft einen auffälligen Befund, der sich im Laufe der Zeit leider manifestiert hat. Nach einer Fruchtwasserpunktion war klar, dass er eine Trisomie 18 hat und der Ultraschalldiagnostik nach auch sehr schwerwiegende Fehlentwicklungen der inneren Organe. Ab diesem Tag war klar, dass er keine lange Lebenserwartung haben würde. Aber in meinem Bauch hat er gelebt und es ging ihm gut. Deshalb haben wir uns für ein Weitertragen entschieden – so lange, wie es sein kleiner Körper kann und er es möchte. Valentin ist in der 36 SSW verstorben und kam einige Tage später still zur Welt.

Darum bin ich bei „Mein Sternenkind Miltenberg“

Ich habe die Selbsthilfegruppe drei Jahre nach unserem Verlust gegründet, weil ich zu unserer Akutphase genau solch ein Angebot gesucht habe. In unserer näheren Umgebung gab es nichts dergleichen. Meine Motivation ist auch, dass der Tod unseres Sohnes nicht sinnlos sein soll. Durch das Angebot kann ich mit meinen Erfahrungen und Kenntnissen anderen Eltern in einer ähnlichen Situation unterstützen.

Der Verein hilft mir dabei …

… Hilfsangebote für Familien, die sich an uns wenden, bereitzustellen und zu erweitern. Der Verein ist die finanzielle Sicherung der Selbsthilfegruppe und deren Aktivitäten. Er ermöglicht uns eine Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit in eigener Sache.

Die Selbsthilfegruppe ist genau das, was meine Idee immer war: Ein Ort, an dem Mütter und Väter, die ein Kind früh verloren haben, einen Ankerpunkt finden. Sie finden Ansprechpersonen und erhalten Unterstützung, wo wir sie geben können. Es ist ein Ort, an dem alle Gefühle, so widersprüchlich sie auch scheinen, Raum haben und sich Menschen treffen, die sich gegenseitig Kraft geben können. Hier haben unsere Sternenkinder einen festen Platz. Das ist es, was es so wertvoll macht.


Johannes Krott

Das bin ich …

Mein Name ist Johannes Krott. Ich bin 39 Jahre alt und Vater von drei Kindern. Ein Kind an der Hand und zwei Sternenkinder. Die Selbsthilfegruppe besuchen mein Frau und ich seit Dezember 2019. Ich bin aktuell Mitglied des Vorstands als Beisitzer.

Das habe ich erlebt …

Wir haben unseren Sohn Henry im Oktober 2019 verloren. Henry ist zwei Stunden nach der Geburt unerwartet an einem Herzfehler verstorben. Im Januar 2022 haben wir ein Kind in der zehnten Schwangerschaftswoche verloren. Es waren von jetzt auf gleich keine Herztöne mehr vorhanden und das Kind ist im Mutterleib verstorben.

Darum bin ich bei „Mein Sternenkind Miltenberg“ …

Nach dem Tod von unserem Sohn sind wir erstmal in ein tiefes Loch gefallen. Wir hatten zum Glück tolle Freunde und unsere Familie, die uns sehr geholfen haben. Aber wir haben irgendwann gemerkt, dass wir über unsere Erlebnisse am besten mit Menschen sprechen können, die Ähnliches durchgemacht haben.

Von einem Mitglied der Selbsthilfegruppe sind wir angesprochen worden, dass wir herzlich willkommen sind mal vorbeizukommen, wenn uns danach wäre. Seitdem sind wir Teil der Selbsthilfegruppe und Gründungsmitglieder von „Mein Sternenkind Miltenberg e.V.“. Ich möchte durch meinen Einsatz im Verein und in der Gruppe anderen Eltern in der gleichen Situation helfen.

Der Verein hilft mir …

Es tut gut, sich für das Thema Sternenkinder einzusetzen und dieses Tabuthema in der Gesellschaft sichtbarer zu machen, um anderen Eltern und Familien zu helfen und aufzuklären. Außerdem geben mir die Gespräche und der Austausch mit anderen Sterneneltern sehr viel. Man fühlt sich verstanden und kann über alles reden, was einen bedrückt. Man weiß, dass der Gegenüber weiß wovon man spricht und kann sich in die Lage versetzen.


Nadja Spörl

Das bin ich …

Mein Name ist Nadja Spörl. Ich bin Mama von drei Kindern. Zwei fest an der Hand, ein Sternenkind tief im Herzen. Wir wohnen in Weilbach. Die Selbsthilfegruppe besuche ich seit der Gründung.

Das habe ich erlebt …

Nach unkomplizierter Schwangerschaft mit meinen Zwillingen, bekam ich 2018 bei 22+5 SSW plötzlich Wehen und meine Jungs kamen im Krankenhaus in Erlenbach zur Welt. Mein Sohn Jonah verstarb nach nicht einmal fünf Stunden in meinen Armen, sein Zwillingsbruder Mathis hat sich ins Leben gekämpft.

Darum bin ich bei „Mein Sternenkind Miltenberg“ …

Nach der Entlassung mit meinem Sohn aus dem Krankenhaus fing für mich die Trauerarbeit erst richtig an, und ich habe mich auf die Suche nach Gleichgesinnten gemacht. Durch meine liebe Hebamme bin ich dann auf Jenny und deren Vorhaben eine Selbsthilfegruppe zu gründen, gestoßen. Ich habe mich dort direkt verbunden und aufgehoben gefühlt mit den anderen Sterneneltern. Jeder hat seine eigene Geschichte, aber alle fühlen den gleichen Schmerz und man wird einfach ohne große Worte verstanden. Ich arbeite mit dem Team daran, jedem Betroffenen diesen Austausch und Rückhalt zu ermöglichen und das Thema Sternenkinder zu enttabuisieren.

Der Verein hilft mir …

… im oft hektischen Alltag Zeit ganz allein für mein Sternenkind Jonah zu bekommen. Es macht mir sehr viel Spaß daran mitzuarbeiten, das Angebot für Sterneneltern in der Region zu erweitern. Der Austausch ist unbeschreiblich wertvoll und es tut einfach unfassbar gut zu wissen, dass man nicht alleine ist.


Jasmin Meyer

Das bin ich …

Mein Name ist Jasmin Meyer. Ich bin 38 Jahre alt und Mutter von zwei Töchtern an der Hand und einer Tochter im Herzen. Seit der ersten Stunde bin ich Teil der Selbsthilfegruppe und freue mich sehr, als Schriftführerin im Vorstand tätig zu sein.

Das habe ich erlebt …

Meine Tochter Leona ist Anfang Mai 2018 still zur Welt gekommen, nachdem ich drei Wochen vorher erfahren habe, dass sie sehr krank ist.

Darum bin ich bei „Mein Sternenkind
Miltenberg“ …

Auch wenn meine akute Trauerphase nach dem Tod meiner Tochter schon etwas länger her ist, ist mir der Austausch mit Menschen, die ähnlich Schlimmes erlebt haben sehr wichtig. Dies ist die einzige Zeit, die nur mir und meinem Sternenmädchen gehört, so wie bei meinen lebenden Kindern der Elternabend in der Schule. Mir ist es ein großes Anliegen, anderen Sterneneltern oder werdenden Sterneneltern das Gefühl zu geben, dass sie nicht alleine sind und dass wir für sie und die Akzeptanz der verstorbenen Kinder kämpfen. Das Thema „Sternenkinder“ ist immer noch ein großes Tabuthema, über das man nicht spricht und das, obwohl es doch so viele Betroffene gibt.

Der Verein hilft mir …

mein Schicksal anzunehmen und mit der Tatsache leben zu lernen, dass unsere Tochter nicht bei uns sein darf. Das unsichtbare Band, das uns Sterneneltern verbindet, ist so stark, weil uns unser Schicksal für immer vereint.


Barbara Wohlmann

Das bin ich …

Mein Name ist Barbara Wohlmann. Ich bin 41 Jahre alt. Unser Sternenkind habe ich in der Woche 10+6 durch eine „Auflösung des Fötus“ verloren. Mein Mann und ich sind seit dem ersten Tag in der Selbsthilfegruppe dabei. Da mir das Thema am Herzen liegt, bin ich nun auch gerne im Verein als Kassenwart im Vorstand aktiv.

Das habe ich erlebt …

An einem Abend im August 2019 bin ich aufgrund einer Blutung in die Notaufnahme. Dort wurde mir mitgeteilt, dass das Herz unseres Kindes nicht mehr schlägt. Gemeinsam mit meiner Ärztin haben wir uns für eine Ausschabung entschieden. Die Ärzte im Krankenhaus sind leider überaus unsensibel mit mir und dem Thema umgegangen. Ein Grund, weshalb die Aufklärungsarbeit so wichtig ist.

Darum bin ich bei „Mein Sternenkind
Miltenberg“ …

Es hilft uns, unser Engelchen in Erinnerung zu behalten und somit auch in Gedanken. Uns war es wichtig, das Thema aufzuarbeiten und mit Gleichgesinnten zu reden. Durch die Gruppe haben wir viele Informationen erhalten, welche Rechte auch wir gehabt hätten. Außerdem sieht man dadurch: Wir sind NICHT allein, egal wann man sein Sternenkind verloren hat.

Der Verein hilft mir …

Durch den Verein möchte ich das Thema präsenter machen und die Menschen dafür sensibilisieren. Denn ich habe gelernt, es kann jeden treffen. Es tut gut, jemanden die Hilfestellung zu geben, die man selber nicht erhalten hat. Es ist wichtig, dass hier noch viel Aufklärungsarbeit geleistet wird. Nicht nur in der Gesellschaft, sondern auch bei Ärzten und Hebammen.


Stefanie Hock

Das bin ich …

Mein Name ist Stefanie Hock. Ich bin 35 Jahren alt und Mutter von 3 Kindern (2 an der Hand und ein Sternenkind). Die Selbsthilfegruppe besuche ich seit der Gründung. Mittlerweile bin ich 2. Vorstand in unserem Verein.

Das habe ich erlebt …

Meine Tochter Doreen ist im Oktober 2018 plötzlich und unerwartet in meinem Bauch gestorben. Ich habe sie in Darmstadt still zur Welt gebracht.

Darum bin ich bei „Mein Sternenkind
Miltenberg“ …

Nach dem Tod meiner Tochter Doreen hatte ich das Glück, durch den Verein „Sternenkindzentrum Odenwald e.V.“ aufgefangen zu werden. Ich konnte an einer Rückbildung für Sternenmamas teilnehmen und wurde umfassend betreut, in Einzel- als auch Gruppentreffen. Als ich im April 2019 nach Seckmauern gezogen bin, habe ich zunächst vergeblich nach Angeboten für Sterneneltern gesucht. Ich bin also weiterhin in den Odenwald gefahren. Bis ich auf Jennys Anzeige im Wochenblatt gestoßen bin. Seitdem nehme ich an der Selbsthilfegruppe teil. Mein Ziel ist es, zusammen mit unserem Team, das Angebot für Sterneneltern auszubauen. Niemand darf in so einer Situation allein gelassen werden!

Der Verein hilft mir …

Durch den Verein habe ich immer das Gefühl, etwas für meine verstorbene Tochter tun zu können. Sie wird dadurch sichtbar. Darüber hinaus tun mir die Gespräche mit Gleichgesinnten einfach unglaublich gut. Da ist eine Magie zwischen Sterneneltern, die man kaum in Worte fassen kann.